Leo Müller, Anfang Dezember werden Sie im Nationalrat vereidigt. Was löst diese Vorstellung in Ihnen aus?
Grosse Freude. Das ist ein wunderbares, unbeschreibliches Gefühl. Ich glaube, ich darf sagen: Damit geht ein Lebenstraum von mir in Erfüllung.
Ein Traum, den Sie schon immer hatten?
Nicht gerade seit immer, aber doch seit Längerem. Es ist wie im Sport: Wenn man intensiv eine Tätigkeit ausübt, dann schielt man auch zur Spitze. Was die Weltmeisterschaft im Sport, ist das Bundesparlament in der Politik. Geträumt - träumen darf man ja - vom Nationalrat habe ich deshalb schon seit ich politisiere, realistisch war das Ziel natürlich erst seit Kurzem.
Wie stark haben Sie mit einer Wahl gerechnet?
Damit gerechnet habe ich nicht, dafür umso mehr darauf gehofft. Die Zeit vor der Wahl glich einem Wellental. Am Tag X war ich hocheuphorisch, wenn mir zig Leute auf die Schulter klopften und mir hohe Wahlchancen attestierten. Einen Tag darauf dann wieder die Ernüchterung, als mich an einer Veranstaltung kaum einer kannte. Vor den Wahlen tappt man komplett im Dunkeln. Das führt zu Nervosität und Anspannung, gerade weil man auch zeitlich stark beansprucht ist. Umso grösser war dann die Erleichterung und Freude über die Wahl.
Was glauben Sie, wieso reichte es gerade für Sie?
Ich sehe drei Gründe. Erstens meine langjährige, seriöse Arbeit im Kantonsrat, welche dieses Jahr mit dem Kantonsratspräsidium ihre Krönung fand. Zweitens mein gutes Netzwerk. Seit rund 15 Jahren engagiere ich mich für die CVP. Ich war Ortsparteipräsident, Präsident der Amtspartei und bin heute Präsident der AWG und Gemeindepräsident. Diese Verankerung innerhalb der CVP ist enorm wichtig. Aber auch ausserhalb der Partei habe ich mein Netzwerk. Ich bin gut in bäuerlichen Kreisen verankert, bin Mitglied im Anwaltsverband und habe dank der AWG enge Beziehungen zur Wirtschaft. Schliesslich glaube ich auch, dass meine Wahlkampagne gelungen ist.
Der kämpfende Löwe Leo…
Ja, genau dieser. Natürlich war die Plakatkampagne gewagt. Als die Idee mit dem Löwen aufgekommen ist, zögerte ich zu Beginn. Doch das Wagnis hat sich eindeutig gelohnt. Für Leute, die ich noch nie getroffen hatte, war ich plötzlich jemand. Die Medien schrieben darüber und die Leute werweissten, was hinter diesem Plakat stecken könnte. Dank dem Löwen erhielt ich so viel Aufmerksamkeit, die ich anders unmöglich erreicht hätte.
Der Kanton Luzern wird künftig in Bern durch keinen Bauern mehr vertreten sein. Werden Sie nun die Interessen des Luzerner Bauernstands wahrnehmen?
Ja, diese Lücke werde ich füllen. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, habe eine Bauernlehre gemacht, war auf einem Landwirtschaftsbetrieb tätig, habe Agronomie studiert und schliesslich einige Jahre beim Schweizerischen Milchproduzentenverband in Bern sowie beim Luzerner Bauernverband gearbeitet. Bei meiner Tätigkeit als Anwalt und Notar habe ich zudem viel mit landwirtschaftlichen Themen zu tun. Ich habe darum sowohl das nötige Fachwissen als auch die bäuerliche Nähe, um die Interessen der Landwirtschaft wirksam zu vertreten. Wichtig scheint mir, so vernetzt zu sein, dass man Mehrheiten für die Landwirtschaft schaffen kann.
Sie sind ein viel beschäftigter Mann. Wo werden Sie nun kürzer treten?
Sicher ist, dass ich das Kantonsratsmandat auf Ende Jahr niederlege. Beim Gemeindepräsidium wollte ich die Sache ursprünglich offen lassen. Dann bemerkte ich allerdings, dass dies zu Diskussionen im Dorf führte. Es gab Personen, die mir sagten, sie könnten mich nur unterstützen, wenn ich das Gemeindepräsidium weiterführe. Schliesslich fällte ich den Entscheid bewusst vor den Wahlen: Ich werde im Frühling wieder für das Präsidium kandidieren. Und ich kann ihnen versichern: Das tue ich gerne, denn wir haben einige sehr interessante Projekte, die am Laufen sind. Mein sehr gutes Wahlresultat in Ruswil empfinde ich auch als Verpflichtung weiter zu machen.
Und wie sieht’s mit Ihrer Anwaltskanzlei aus?
Dort werde ich etwas kürzer treten müssen. Das sollte drin liegen. Schliesslich arbeiten neben mir noch zwei weitere Mitarbeiterinnen in der Kanzlei. So kann ich meinen Arbeitsaufwand relativ gut anpassen.
