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„Landoffensive“ organisierte Gipfeltreffen der Milchwirtschaft in Neudorf

13. Oktober 2011
Direkte Angriffe, harte Debatten und ein harmonisches Ende

Hochkarätige Referenten, feurige Auseinandersetzungen und ein versöhnlicher Abschluss: das Gipfeltreffen der Milchwirtschaft in Neudorf hielt, was er versprach. Mit über 200 anwesenden Bäuerinnen und Bauern war die Veranstaltung der CVP-nahen „Landoffensive“ (Liste 21) ein voller Erfolg.

Die Ausgangslage war brisant. Zum ersten Mal nach dem neuesten Zwist trafen der Präsident der Branchenorganisation Milch (BOM), Markus Zemp, und der Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Albert Rösti, in aller Öffentlichkeit aufeinander. Das Verhältnis zwischen den beiden wichtigsten Akteuren der Milchwirtschaft ist zerrüttet, seit der SMP den Ausstieg aus der BOM beschloss – als Reaktion auf die Senkung des Richtpreises der A-Milch um 4 Rappen auf 64 Rappen.

Das totale Chaos droht

Was BOM-Präsident Markus Zemp vom Austritt hielt, war von seinem Gesicht abzulesen: „Ich bin frustriert, und am liebsten würde ich den Bettel hinschmeissen.“ Nur ein einziger Grund hindere ihn daran: „Die Überzeugung, dass ohne die BOM das totale Chaos ausbricht.“ Markus Zemp sieht für die BOM durchaus eine Zukunft, denn die BOM habe einiges erreicht – gerade durch die intensive Zusammenarbeit mit Verarbeitern und Grossverteilern. „Das Einzige was es für eine schlagkräftigere BOM braucht, sind mehr vernünftige Leute um mich herum.“

Muss BOM reformiert werden?

Angesprochen fühlte sich SMP-Direktor Albert Rösti: „Wir wollten mit dem Austritt ein Signal setzen, dass es mit der BOM, so wie sie heute organisiert ist, nicht weitergeht.“ Albert Rösti beklagte eine Übervertretung der Verarbeiter in der BOM. „Die Vertreter der Milchproduzenten in der BOM sind nicht unabhängig, weil sie gleichzeitig dem Handel angehören.“ Die „übertriebene“ Senkung des Milchpreises sei logische Folge davon. Deshalb brauche es dringend Reformen innerhalb der BOM.

Konrad Graber appelliert an Vernunft

Zeitenweise war man froh, dass zwischen den beiden Streithähnen ein anderer wichtiger Akteur der Milchwirtschaft stand: Emmi-Verwaltungsratspräsident und CVP-Ständerat Konrad Graber. In ruhiger und besonnener Art rief er SMP und BOM auf, sich zusammenzuraufen. „Was wir als Verarbeiter vor allem brauchen, ist Stabilität und Planbarkeit – diese Streitereien sind darum höchst schädlich für die Schweizer Milchwirtschaft.“ Konrad Graber erinnerte auch daran, dass die BOM in der Vergangenheit durchaus Erfolge verzeichnen durfte. So konnte sie in den letzten Jahren mehrere Male Preiserhöhungen für die Milch durchsetzen. Konrad Graber setzt auf die BOM. Mit der Marktsegmentierung in A-, B- und C-Milch habe die BOM ein Modell, das Zukunft hat. „Jetzt müssen wir uns endlich an die Umsetzung machen, anstatt uns in interne Streitereien zu verstricken“, sagte Konrad Graber. Eine Alternative dazu gebe es nicht.

Hitzige Diskussion auch im Publikum

Die Diskussion wurde hitzig geführt – auch aus der zweiten Reihe der Nationalratskandidierenden und dem Publikum. Für die einen war der SMP-Entscheid der Sargnagel der Schweizer Milchwirtschaft, andere geisselten die BOM als unnötiges Gebilde. Verschiedentlich brandeten auch Konflikte zwischen Gross- und Kleinproduzenten auf. Während einige Grossproduzenten möglichst frei möglichst viel Milch auf dem freien Markt verkaufen wollen, appellierten andere an die Solidarität mit den weniger leistungsfähigen Betrieben.

Ein Funken Hoffnung zum Schluss

Je länger der Abend wurde, desto klarer wurde indes: Der Grossteil der Landwirte wünschte sich auch weiterhin eine Mengensteuerung. Auch war man sich weitgehend einige, dass es nicht zielführend wäre, die Verarbeiter auszuschliessen. Zu stark sind Milchproduzenten und Verarbeiter wie Emmi aufeinander angewiesen – gerade vor dem Hintergrund des geöffneten Käsemarkts. Die Schlussrunde mutete denn auch fast schon harmonisch an. Sowohl Markus Zemp, Konrad Graber als auch Albert Rösti bekannten sich klar zur verstärkten Zusammenarbeit innerhalb der Milchwirtschaft und zur Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Marktsegmentierung mit den dazu gehörenden Zuschlägen für die Marktabräumung.

 
Bauer Medien AG