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Interview mit Ruedi Lustenberger, Nationalrats-Vizepräsident

23. Dezember 2011
„Dieses Amt kann man nicht beanspruchen; es wird einem anvertraut“

Er ist dafür verantwortlich, dass in zwei Jahren ein Luzerner höchster Schweizer wird: der Entlebucher CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger. In der Stunde des Triumphs bleibt der 61-Jährige demütig und zieht überraschende Vergleiche mit dem Advent und dem Fussball.

Ruedi Lustenberger, in zwei Jahren werden Sie voraussichtlich höchster Schweizer. Was verspüren Sie dabei?

Grosse Freude, gleichzeitig auch Respekt und Verantwortung für diese wichtige Aufgabe. Ich freue mich für die CVP, den Kanton Luzern, das Entlebuch und die Gemeinde Romoos, und selbstverständlich auch für meine Familie und mich persönlich.

Die Wahl zum Nationalratspräsidenten erfolgt ja in Raten. Diese Session wurden Sie zum zweiten Vizepräsidenten gewählt, nächstes Jahr folgt die Wahl zum ersten Vizepräsidenten und Ende 2013 dann die Krönung zum Präsidenten. Erlebt man das gleich intensiv, wie wenn man direkt in ein Amt gewählt wird?

Es ist schon etwas speziell, und anders als bei meiner Wahl zum Grossrat oder zum Nationalrat. Damals war die Emotion spontan und heftig. Sagen wir es so und machen den Vergleich mit dem Advent: Der Advent vor Weihnachten dauert vier Wochen, der Advent vor dem Nationalratspräsidium zwei Jahre. Der Advent ist eine spezielle, eine schöne und besinnliche Zeit – und so habe ich nun auch die ersten drei Wochen als Vizepräsident erlebt.

Was tut man denn als Vizepräsident genau?

Als Vizepräsident bin ich bereits Mitglied im Büro des Nationalrats, das unter anderem die Sessionen vorbereitet. Daneben gehöre ich auch der Koordinationskonferenz und der Verwaltungsdelegation an. Die zwei Jahre sind eine ideale Lehrzeit für mich. Man lernt von den amtierenden Präsidentinnen und Präsidenten und macht sich zu diesem und jenem Detail im Ratsbetrieb und im Umgang mit den Institutionen seine Gedanken. Das gefällt mir.

Die Arbeit im Rat ist das Eine. Gleichzeitig werden Sie in zwei Jahren das Gesicht der politischen Schweiz sein. Mit wie vielen Auftritten muss man da rechnen?

Das hat man weitgehend selbst in der Hand, weil man die Prioritäten selber setzen kann. Ich werde sicherlich darauf Acht geben, dass alle Regionen und gesellschaftlichen Gruppen und Schichten berücksichtigt werden. Als Grossratspräsident hatte ich über 200 Auftritte im Kanton Luzern. Auf Bundesebene werden es vermutlich schon noch ein paar mehr sein…

Sie sprechen es an, Sie haben früher bereits mal den Kantonsrat präsidiert. Ein Vorteil?

Ganz bestimmt. Die Abläufe sind ähnlich, wenn auch komplexer; auch die Kadenz ist viel höher. Es ist wie im Fussball. Die Regeln sind überall gleich. Nur die Liga ist eine andere.

Ist das die Krönung Ihrer politischen Karriere?

Wenn ich diese Frage nicht mit einem spontanen Ja beantworten könnte, würde ich diesem hohen Amt nicht gerecht. Die Möglichkeit, Wertschätzung für die Eidgenossenschaft, unser Land und seine Institutionen zu vermitteln, ist das Salz dieses Amtes und meine Leidenschaft.

Wie erklären Sie sich, dass die Wahl auf Sie fiel?

Man kann dieses Amt ja nicht beanspruchen; es wird einem anvertraut. Nachdem die beiden letzten Male innerhalb der CVP zwei Frauen aus der lateinischen Schweiz zu Ehren kamen, war klar, dass es dieses Mal ein Mann aus der Deutschschweiz sein wird. Eine Rolle haben sicherlich die Anciennität und die regionale und berufliche Herkunft gespielt. Man kennt mich als praktizierenden Vertreter der KMU und als Entlebucher – eine spezielle Art Luzerner… Das war sicher kein Nachteil.

Die kantonale CVP sieht eine Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren vor. Bedauern Sie, dass dies folglich die letzte Legislatur sein wird?

Ich sage jeweils: Alles hat seine Zeit! Und Statuten sind bekanntlich dazu da, um eingehalten zu werden. Es wird wegen mir sicher keine Lex Lustenberger geben, so wie es andernorts nach der Wahl von Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf eine Lex Blocher gab. Stattdessen werde ich mich nun ganz auf das Nationalratspräsidium konzentrieren. Meine Frau Marie-Theres und ich werden auf Anfang 2012 unsere Firma einem langjährigen Mitarbeiter übergeben. Und somit bekomme ich den nötigen zusätzlichen Freiraum, um meine vierte Legislatur, welche eine ganz spezielle sein wird, erfolgreich zu bestreiten.

 
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