Nicht alles was neu ist, ist automatisch besser. Das gilt auch und gerade in der Bildungspolitik. Seit dem Schuljahr 2007/2008 werden im Kanton Luzern ab der 3. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Französisch unterrichtet. Dies macht auf den ersten Blick Sinn. Denn: Je jünger man eine Sprache lernt, desto einfacher geht es. „Eines sollte dabei allerdings nicht vergessen werden“, sagt Priska Wismer-Felder. „Sobald die Kinder überfordert sind, wirkt sich das negativ auf den Lernerfolg einer zweiten Fremdsprache aus.“
Zwiespältige Zwischenbilanz
Der Evaluationsbericht der Dienststelle für Volksschulbildung dieses Jahres gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob zwei Fremdsprachen zu viel sind. Einerseits verneinen Lehrpersonen und Eltern eine Überforderung der Schulkinder durch die Einführung von Englisch in der dritten Klasse, andererseits sind dieselben Befragten skeptisch gegenüber zwei Fremdsprachen in der Primarschule. So finden 56% der Eltern, dass dies nicht sinnvoll ist. Bei den Lehrpersonen ist das Bild ähnlich. Über die Hälfte findet es nicht sinnvoll, auf Primarstufe bereits zwei Sprachen zu lehren.
Vertiefte Evaluation nötig
„Für uns ist klar, dass es noch zu früh ist, endgültige Schlüsse zu ziehen“, sagt Priska Wismer. Gleichzeitig fordert sie eine vertiefte Untersuchung der Neuerung bis spätestens im Frühling 2014. „Sollte es sich zeigen, dass zwei Fremdsprachen auf Primarstufe weiterhin weder bei Eltern noch bei Lehrpersonen auf Akzeptanz stossen, braucht es spürbare Änderungen der Rahmenbindungen – oder den Mut, eine missglückte Reform rückgängig zu machen.“
